Vom Nebelhorn zum Himmeleck

Allgemein | Bergbahnen | thomas 3. September 2009 

Mehr Panorama geht nicht: Hinaufschweben, hinunterrollen
Berge muss man nicht notwendigerweise besteigen. Manchmal hat man mehr davon, wenn man sie überschreitet. Vor allem an heißen Sommertagen und vor allem mit Kindern und Jugendlichen, die schweißtreibenden Aufstiegen so gar nichts abgewinnen können. Hinaufschweben und hinunterrollen hört sich da doch schon besser an.
Unser heutiger Tipp führt uns auf den wohl schönsten Panoramaweg des Allgäus von der Nebelhorn-Bergstation (1930 m) zum Himmeleck (2007 m) – mit schwebendem Aufstieg und rollender Talfahrt. Eine aufregende und vergnügliche Höhenwanderung vor einem Vierhundert-Gipfel-Panorama. Gehzeit bei sehr gemütlichem Tempo: rund sechs Stunden. Doch Vorsicht: so entspannt sich diese Wanderung auch anhört. Sie ist nichts für Langschläfer! Denn wer nicht die erste Gondel der Nebelhornbahn in Oberstdorf (8.30 Uhr) erwischt, könnte anstehen müssen. Bis zu einer Stunde in der Hochsaison. Ein Härtetest, besonders für Familien.

Oben an der „Station Höfatsblick“ möchte man am liebsten gleich pausieren. Atemberaubend schön ist schon hier der Blick auf die wilde Pracht der Allgäuer Gebirgslandschaft. Irgendwie treibt’s einen dann doch weiter. Denn die Bahn spuckt unaufhörlich weiter Menschen aus, Massen an Menschen. So flüchten wir und folgen dem Schild Richtung „Laufbacher Eck“, Richtung Einsamkeit.

Zugegeben. Ganz einsam ist man hier oben nie. Doch schon nach etwa einer halben Stunde begleiten uns nur noch vereinzelte Rucksackträger, deren Wanderlust bald belohnt werden soll. Zum Beispiel mit einem Blick auf die vier kathedralenartigen Spitzen der „Höfats“ (2258 m), die bis oben hin mit dichtem Gras und Blumen überzogen sind. Es ist, als habe Christo die vier fast gleich hohen Gipfel in grünen Samt gehüllt. Angesichts dieses majestätischen Aussehens erscheint die (umstrittene) These, der Name des Berges bedeute „die Hoffärtige“, gar nicht so weit hergeholt.

Wenig später wächst ein Berg namens „Schneck“ (2268 m) aus dem Nichts. Zunächst in Form einer überdimensionalen Ziehharmonika. Während wir ihn umwandern, wird er ständig seine Form verändern, mal wird er zum spitzen Fels-Dom, dann ein faul hingeworfener Grashügel. Der Weg führt uns weiter durch blühende Blumenwiesen zu einem Sattel namens Laufbacher Eck. Spätestens hier kehren die meisten Wanderer um. Wir gehen weiter, steigen ein Stück hinab, auf dem Weg Richtung „Prinz-Luitpoldhaus“, um den Schneck herum wieder hinauf zu einem Plätzchen namens „Himmeleck“. Ein Platz, der seinem Namen alle Ehre macht. Ein toller Rundblick, kurze Brotzeit – dann führt uns der Weg hinunter ins Oytal vorbei an der bewirtschafteten „Käseralpe“.

Mit dem Bergroller lässt sich der Rückweg abkürzen

Es lohnt sich, hier noch einmal etwas zu trinken, denn der Weg durchs Oytal hinaus nach Oberstdorf ist noch lang. Es sei denn man verkürzt ihn. Mit einer Bergroller-Fahrt entlang des wilden Oybachs hinab nach Oberstdorf. Start ist am Gasthof Oytalhaus, etwa ein Stündchen Fußmarsch von der Käseralpe entfernt. Aber Achtung: Hier droht der zweite Härtetest. Dann nämlich, wenn man keinen Roller mehr bekommt, was gelegentlich vorkommt. (Roller gibt es für 6 Euro und bis ca. 20 Uhr, Reservierungen sind nicht möglich.) Dann darf man noch mal 5,5 Kilometer bis Oberstorf hatschen.

Wem das passiert, der hat auf dem langen Rückweg Gelegenheit, die gerade erlebten immer neuen fantastischen Ausblicke auf die Allgäuer Bergwelt in sich nachwirken zu lassen. Diese mentale Technik beherrschen manche fußwunde Erwachsene, enttäuschte Kinder allerdings nicht.

Kurz informiert

Ausgangspunkt Parkplatz der Nebelhornbahn in Oberstdorf. Die Seilbahn fährt täglich von 8.30 Uhr bis 16.50 Uhr

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Quelle: Allgäuer Zeitung

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